Phasen der Veränderung: Was Veränderung für uns bedeutet

Dieser Text ist zuerst im BÄM! Newsletter #40: Juni 2020 erschienen.

Veränderungen finden ständig statt. Der Auslöser kann von außen kommen oder selbst initiiert sein. Dabei fühlen sie sich nicht immer gut an, sondern meist anstrengend, selbst wenn wir zu Beginn noch begeistert waren. Es macht auch keinen Unterschied, ob die Veränderung von uns gewollt oder aufgezwungen ist, positiv oder negativ empfunden wird. Dabei durchlaufen wir sieben Phasen der Veränderung.

Wir stehen im ersten Moment einer Veränderung gerade zu unter Schock, bekommen Angst oder sind total überrascht und wollen das Ereignis nicht wahrhaben. Wir ahnen, dass sich unsere Welt, wie wir sie bisher kannten, verändern wird und etwas Neues auf uns zukommt. Wir wollen lieber am Gewohnten festhalten, was uns ein Gefühl von Sicherheit gibt. Oder uns in einen Aktionismus nach alten, bewährten Mustern stürzen lässt, um möglichst schnell und kontrolliert wieder aus der Situation herauszukommen. Das liegt an unserem Überlebensinstinkt und unser Gehirn greift automatisch auf einen bereits erlernten Ablauf zurück, anstatt mehr Energie für neue Prozessentwicklungen aufzubringen.

Wie können wir besser mit Veränderung umgehen?

Alle Veränderungen haben einen bestimmter Ablauf gemeinsam. Um besser damit umgehen zu können, kann es helfen zu verstehen, was bei uns in einem Veränderungsprozess überhaupt abläuft. Elisabeth Kübler-Ross, Psychaterin und Sterbeforscherin, hat in den 1960ern ein Modell mit den verschiedenen emotionalen Phasen der Trauer entwickelt.

Die erweiterte Veränderungskurve mit ihren sieben Phasen wird seither auch verwendet, um persönliche Reaktionen auf große Veränderungen greifbarer zu machen und sich Gefühlen, Gedanken und Bedürfnissen in der Veränderung bewusst zu werden. Die einzelnen Phasen können unterschiedlich intensiv und lang sein, abhängig davon, welche Erfahrungen wir bisher im Leben gemacht haben. So kann es hilfreich sein, sich die Frage zu stellen: Wie kann ich mich in den einzelnen Phasen so gut wie möglich unterstützen? Hinweis: Siehe auch Grafik der Veränderungskurve am Ende des Artikels.

Phase 1: Schock

Auf eine Veränderung reagieren wir mit Angst und Schock oder totaler Überraschung.

Wir fühlen uns wie ferngesteuert oder fühlen scheinbar nichts. Wir ahnen, dass es unsere Welt wie wir sie aktuell kennen nicht mehr geben wird.

Erkenntnis: Ja, es ist schwierig. Ich bin nicht allein.

Phase 2: Verneinung

Das kann nicht sein! Das ist nicht wahr! Das will ich nicht! Das kann ich nicht!

Wir wollen nicht glauben, was geschehen ist und suchen nach Gründen, warum es nicht so sein kann. Dabei werden wir wütend und fühlen uns ungerecht behandelt. Oder bekommen es plötzlich mit der Angst zu tun und fühlen uns überfordert.

Erkenntnis durch Realitätscheck: Was spricht dafür, was dagegen?

Phase 3: Einsicht

Ja, aber …

Wir fangen an uns mit der neuen Situation auseinanderzusetzen und verstehen die Veränderung rational. Emotional sind die Gründe noch nicht bei uns angekommen und wir empfinden starke Gefühle wie Wut, Trauer, Angst oder Aufregung bei positiven Ereignissen.

Erkenntnis: Es ist alles okay, verständlich und gut nachvollziehbar.

Phase 4: Resignation (Tal der Tränen)

Unsicherheit, Zweifel, nichts geht mehr, sich verloren fühlen

Wir beginnen, die neue Situation anzunehmen. Das ist der Wendepunkt, der sich auch als Tiefpunkt im Tal der Tränen zeigen kann.
Wir wissen (noch) nicht weiter, wünschen uns Hilfe und Rat oder äußern die komplette Selbstaufgabe.

Erkenntnis: Es ist okay, das erst einmal auszuhalten.
Erkenntnisse gewinnen, sobald sich wieder etwas Zuversicht zeigt: Was würde jetzt gut tun, stärken? Was gibt es Gutes an der Situation? Was kann ich, wenn ich darüber hinweg bin, über das Leben lernen? Was habe ich früher schon erlebt, was jetzt helfen könnte? Wer hat so etwas schon überstanden?

Phase 5: Akzeptanz

Offenheit, Blick nach Vorne

Wir nehmen die neue Situation an und akzeptieren rational und emotional, dass Veränderung stattfindet. Wir wirken wieder gestärkter.

Erkenntnisse gewinnen: Was hilft mir jetzt? Was brauche ich? Welche Vorteile gibt es die Situation anzunehmen? Wie wäre es jetzt richtig schön?

Phase 6: Ausprobieren

Lust auf Neues, Neugierde, Ideen, Trial and Error

Wir sind bereit, uns neuen Denkmustern, Verhaltensweisen zu öffnen, auch unseren Alltag und unsere Fähigkeiten zu verändern. Wir werden aktiv, probieren uns neugierig aus, gehen erste Schritte nach dem Trial-and-Error-Prinzip.

Erkenntnisse gewinnen: Welche Strategie kann ich entwickeln? Was sagt mir die Auswertung meiner Trial-and-Error-Erfahrung?

Phase 7: Bewusstsein und Integration

Bewusstsein für die Veränderung bis zur vollständigen Integration.

Durch die gesammelten Erfahrungen wissen wir, was für uns funktioniert und was nicht. Wir sehen jetzt das Gute in der Veränderung, die Einzug in unseren Alltag findet und haben ein klareres Bild für die Zukunft.
Der Veränderungsprozess ist durchlaufen. Wir haben neue Gewohnheiten gewonnen und können uns wieder voll und ganz in der neuen Situation einbringen.

Erkenntnisse gewinnen durch Reflektion: Was habe ich angewandt? Was habe ich gelernt? Wie bin ich trotz allem gewachsen? Welche neue Qualität hat mein Leben?

Es ist okay, wenn du dir Sorgen machst, du traurig bist, du wütend bist, es dir gut geht, du genervt bist, du überfordert bist, du dich einsam fühlst, du enttäuscht bist, du hin- und hergerissen bist, du Zuversicht spürst, du immer wieder von Neuem beginnst, du dich über Ruhe freust, du unzufrieden bist, du innerlich unruhig bist, du unter Schock stehst, du alles nicht wahrhaben möchtest, du trotzdem auch mal glücklich bist, du dich zurückgeworfen fühlst, du dich riesig freust, du keine Kraft mehr hast, du Fehler machst, du total produktiv bist, du Angst hast, du zufrieden bist, du dich wie gelähmt fühlst, du einfach mal nichts machst, du Hoffnung hast, du Vorfreude spürst.

Das ist alles okay! Es gehört zu den Phasen der Veränderung, einen gewissen Widerstand zu spüren oder auch Widersprüche zu erfahren. Das ist zwar ungewohnt doch sogar gut, weil die Veränderung dann tatsächlich passiert, und wir uns mit Kopf und Körper weiterentwickeln. Wichtig ist, wie wir mit uns und der Situation umgehen und zu verstehen, dass es eine gewisse Zeit dauern wird bis unser Leben wieder besser ist.


Yvonne Rundio ist Business Coach und hilft Selbstständigen* ihr Leben und Arbeiten auf ihre eigene Art zu gestalten. Mit Slow Growing von Überleben zu Entfaltung, von Stillstand zu Bewegung.


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