Aktivismus leben – Bewegung statt Stillstand durch Hoffnungsfähigkeit, individuelle Stärke und Gemeinschaft

»Hoffnung ist der Glaube daran, dass das, was wir tun, möglicherweise von Belang ist. Das Wissen, dass die Zukunft jetzt noch nicht geschrieben ist.«
— Rebecca Solnit

 

 

Dieser Text ist zuerst im BÄM! Newsletter #29: Juni 2019 erschienen.

Das Zitat stammt aus dem Buch Die Dinge beim Namen nennen und bezieht sich auf die Missstände in den USA. Statt zu resignieren, ruft Rebecca Solnit dazu auf, an die eigene Macht zu glauben und ins Handeln zu kommen.

Das Zitat hat mich berührt und nachdenklich gemacht, weil es auf den Punkt bringt, was mich beschäftigt und wovon ich mir mehr wünsche für den Feminismus.

Chancen in der Hoffnungsfähigkeit und in individuellen Stärken

Hoffnungsfähigkeit lernen wir, sobald wir für etwas selbst verantwortlich sind und uns dieser Herausforderung stellen. Das beginnt in der Schule mit der Verantwortung für unsere Hausaufgaben, für unsere Noten. Es geht weiter mit der Bewerbung für eine Ausbildung, das Studium. Mit dem ersten Job, dem zweiten, dem dritten. Oder dem Start in die Selbstständigkeit. Je mehr wir von diesen Erfahrungen mit positiven Ergebnissen sammeln, umso größer ist unsere Hoffnungsfähigkeit. Besonders, wenn etwas nicht direkt beim ersten Versuch klappt und wir voller Einsatz einen zweiten wagen, der sich als erfolgreich erweist.

Ich bin überzeugt von einer individuelle Stärke, die in uns allen steckt, und von uns allen erkannt und genutzt werden kann. Zu sehen, was sich in meinen Coachings bei Menschen bereits innerhalb einer Session bewegen kann, löst bei mir Begeisterung aus und bewegt mich zutiefst. Was damit in einer Gruppe passiert, ist nahezu magisch.
And She Was Like: BÄM! ist für mich eine so magische Gruppe. Was wir als kleine Initiative mit einem Abendessen vor rund vier Jahren gestartet haben, was wir in der Zwischenzeit geschafft haben, was sich daraus alles entwickelt hat, was erst der Anfang ist. Das bestärkt mich darin, wie wichtig es ist, unsere Hoffnung mit unseren Fähigkeiten zu verbinden und aktiv zu werden.

Bewegung statt Stillstand – Aktivismus leben

Dafür müssen wir immer wieder ins Handeln kommen. Das fängt bei uns selbst an, beim genauen Hinhören, was wir denken und was andere sagen, und geht weiter, in dem wir in unserem persönlichen Umfeld ein Bewusstsein schaffen, durch die Unterzeichnung von Online-Petitionen, Wahlbeteiligung, gewaltfreie Proteste.

Ein*e jede*r von uns kann selbstbewusst Verantwortung übernehmen und die eigenen Möglichkeiten, den eigenen Einfluss unter die Lupe nehmen. Solidarität im Umfeld zeigen und Frauen* unterstützen mit genauem Zuhören, Fragen stellen, Namen in Gespräche einbringen, Frauen* fördern, hinter Frauen* stehen, zum Erfolg verhelfen, sich neben Frauen* stellen und für sie eintreten.

Aber persönliche Möglichkeiten haben auch ihre Grenzen. Dann wenn es um Strukturen und Systeme geht, braucht es mehr, um sich für Feminismus einzusetzen. Wir müssen uns zusammentun, um gemeinsam aktiv zu werden.

Etwas zu bewegen, was von Bedeutung ist, heißt auch Banden zu bilden und gemeinsam Hoffnung zu leben. Mit BÄM!, für einen intersektionalen Feminismus, der für uns alle gut ist. Aktuelle Themen und Probleme zu Gleichberechtigung und Gerechtigkeit beim Namen zu nennen, wie z. B. Frauenfeindlichkeit, Sexismus, Alltagsrassismus, Gender Pay Gap, finanzielle Abhängigkeit, den Abtreibungsparagraphen, #metoo, das Transsexuellengesetz. Für Bewusstsein, für Gegenmaßnahmen und Lösungen, für eine gewaltfreie Protestkultur. Für eine sinnorientierte und nachhaltige Veränderung.

Die Ergebnisse der Europawahl und die Fridays for Future zeigen für mich eines ganz besonders – es gibt sie, die Menschen, besonders die jungen, die an die Möglichkeiten von Einzelnen in der Gemeinschaft glauben und sich gemeinsam in Bewegung setzen für eine positive Veränderung.
Mit BÄM! wollen wir Austausch, gegenseitige Unterstützung, Wertschätzung, das füreinander-Einstehen, Engagement und Vertrauen fördern. Wir wollen zur Gemeinschaft ermutigen, dazu, Verantwortung zu übernehmen, Möglichkeiten und Einfluss zu nutzen, sich Gehör zu verschaffen, um neue Strukturen zu schaffen und langfristig Systeme zu verändern.

Denn was mich bewegt, ist meine große Hoffnung, dass unsere Visionen davon, was wir gemeinsam tun und bewegen können, von Bedeutung sind, damit Frauen* selbstbestimmt leben können. Weil wir sicher sein können, dass »die Zukunft jetzt noch nicht geschrieben ist«.

Seid echt, seid mutig, tut euch zusammen!

 

© Zitat: aus dem Buch Die Dinge beim Namen nennen von Rebecca Solnit, Hoffmann und Campe Verlag

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